brugg-online

Ausgabe vom 2. Juni 2000

 
BRUGG: Verein «AargauMusical»
 
West Side Story ohne Pettycoat
 
West Side StoryDer Verein «AargauMusical» hat seine Arbeit an der geplanten Aufführung des Musical-Klassikers West Side Story aufgenommen. Am Samstag wurden Bühnenbild und Regiekonzept vorgestellt.
 
Als Grundlage hatten die Autoren der West Side Story Shakespeares «Romeo und Julia» für ihr 1957 in New York uraufgeführtes Musical ins Auge gefasst. Sie ersetzten den Veroneser Familienkrach durch die seinerzeit eskalierenden Rassenkonflikte im New Yorker Westend, die sich zwischen der amerikanischen Mittelklasse, den «Jets» und den Puertoricanern, den «Sharts» abspielten. Der Rest ist die ewige Geschichte von Liebe, Hass, Tragik, Gleichgültigkeit, Gewalt und Tod. Sie würzten sie mit der hinreissenden Musik von Leonard Bernstein, was sie endgültig zum Klassiker machte.
 
Die Story ist heute so modern wie damals ­ nur noch ein bisschen brutaler. Jürg Bauer, erfahrener Regisseur (Zeller Ostern und der legendären Aufführung «Lieber Onkel Schizophren»), schliesst in seinem Regiekonzept für die West Side Story einen Kompromiss zwischen den 50er Jahren und der heute wachsenden Gewaltbereitschaft von Minderheiten. «Heute», so sagt Bauer, «holen die seinerzeit als brutal angesehenen Szenen keinen Menschen mehr hinter dem Ofen hervor.» Andererseits hat sich die Haltung der upper-class nicht verändert. Sie konsumiert von ihrem Schönheitsbad vom Balkon aus ungerührt und ohne Emotionen, was «unten» passiert.
 
Jürg Bauer sieht die Aufführung der West Side Story in Brugg als eine Art Retrospektive, in welcher der Tod der Bandenführer vorweggenommen wird. Der Faden der Handlung wird nach der Ouvertüre wieder aufgenommen und man darf gespannt sein, ob diese ­ wie im Original ­ die Hoffnung auf eine zögernde Annäherung und eine mögliche Versöhnung der Mitglieder beider Banden andeutet. Die Darsteller der jungen Leute sollen so spielen dürfen, verrät Bauer, wie es ihnen ihr Selbstdarstellungs-Gefühl erlaubt. Die Mädchen werden nicht mit den Petticoats der Fünfzigerjahre ausstaffiert und die jungen Männer sollen nicht so aussehen, als wären sie Flamenco-Tänzer.
 
Der Spagat zwischen den Generationen ist sowohl in der Regie als auch im Bühnenbild geglückt. Der Zürcher Filmarchitekt Kaspar Wolfensberger wird ein Bühnenbild bauen, das es erlaubt, auf zwei Ebenen zu spielen. Die «Jets» werden rechts auf einem Balkon plaziert, die «Sharks» links auf einer Dachterrasse. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden feindlichen Gruppen, in welcher sich das Drama entwickelt, wird sich in der Mitte abspielen. Grosse Umbauten gibt es keine, intimere Partien, wie die Schlafzimmerszene, in der Maria und Tony ein kurzes Glück erleben, werden durch kleinere Verschiebungen und Lichteffekte pointiert. «Wir haben aus allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten das Beste gemacht.» Und da gibt es viel zu organisieren: Tribüne, Foyer, Heizungs- und Lichtanlage und so fort.
 
Dass alle Mitspielenden höchst motiviert und mit Freude dabei sind, zeigten die ersten Kostproben von den Tänzen, die von Ballettmeisterin Melinda Fischer vorgestellt wurden. Der bekannte Choreograph der Royal Ballett-Company Geoffrey Cauley, der ansonsten im Londoner Covent-Garden zu Hause ist und dessen Zusage, die Brugger West Side Story zu choreografieren, ebenfalls Jürg Bauer zu verdanken ist, war zu diesem Anlass nach Brugg angereist und auch Regierungsrat Kurt Wernli, der das Patronat des Musicals übernommen hat, kam, sah und hatte seinen Spass am Fortschreiten der Vorbereitungen. LF

 
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